Dienstag, 07. Februar 2012
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Der Eisenbeschlag
Der Eisenbeschlag ist die vielseitigste und häufigste Hufschutzmethode und somit auch die preiswerteste.

Textquelle: Bernhard Mayr, D-82269 Geltendorf/Kaltenberg
http://www.hufkurs.de


Vorteile und Nachteile:


DSC00053_schmieden.jpgSchmieden
Foto: © 11/2005 Sperling

Die Hufeisen sind sehr genau an jede Hufform anpaßbar. Durch erhitzen im Schmiedefeuer wird Eisen weich, dadurch kann das Hufeisen heim Schmieden millimetergenau nach der ,,gegebenen Hufform” geformt werden. Um das natürliche Abrollen der Vorderhufe nicht zu behindern,  - was eine Überbelastung der Hufrolle, Gelenke, Sehnen und stolpernden Gang zur Folge hätte - ist das Anschmieden einer Zehenrichtung an den vorderen Hufeisen unbedingt notwendig und nur in heißem (weichem)  Zustand des Eisens möglich.

PA111508_aufbrennen.jpg

Aufbrennen
Foto: © 09/2005 www.rotschopf.at


Bei Aufbrennen auf den zuvor korrekt vorbereiteten Huf wird die genaue Paßform des Hufeisens kontrolliert. Dabei ist zu beachten, daß das Eisen nicht mehr rotglühend sein darf, weil dadurch die Hitzeeinwirkung auf das Hufhorn zu groß ist und zuviel Horn verbrannt wird,  was ein zu starkes Austrocknen des Tragerandes mit all seinen negativen Auswirkungen  (z.B. spröder Hufrand) zur Folge hat. Das Nachkorrigieren, hauptsächlich der Zehenrichtung und das Einlassen des Zehenaufzuges bzw. der seitlichen Zehenaufzüge  (beiden hinteren Hufeisen)  am Huf hat unbedingt mit dem Hufmesser zu erfolgen, und darf nicht durch wegbrennen des Hornes geschehen.


Durch das sehr genaue Anpassen der Hufeisen an die gegebene Form der Hufe wird eine Vernagelung nahezu ausgeschlossen und die Hufnägel können so gesetzt werden,  daß ein Ausbrechen des Tragerandes innerhalb einer normalen Beschlagperiode (max.  6 - 8 Wochen) verhindert wird.

Durch die große Vielfalt qualitativ hochwertiger industriell hergestellter Hufeisentypen in Form, Dicke, Profil und Material, die durch den Hufbeschlagschmied noch individuell veränderbar sind, können sämtliche Anwendungsgebiete des Pferdes abgedeckt werden.

DSC00100_HufGrip_hinten.jpg1 Schraubstollen mit Hartkernstiften
2 Hartkernstif
3 Huf-Grip
Foto: © 11/2005 Sperling

Ein sachgemäßer Hufschutz sollte zur Sicherheit von Pferd und Reiter mit ausreichendem Gleitschutz auszustatten sein. Beim Hufeisenbeschlag ist die Anbringung jeder Art von Gleitschutz möglich. Die Art des Gleitschutzes - Steckstollen,  Schraubstollen, Griffe für den Zehenbereich, Hartmetallstifte - hängt von der Nutzung des Pferdes und der Bodenbeschaffenheit auf dem es bewegt wird ab.

Gleitschutz_Stollen.jpgSchraubstollen
Foto: © 11/2005 Sperling

Schraubstollen sind relativ hoch und sollten nur bei Bedarf
, z. B. bei Springpferden, eingesetzt werden. Um die Verletzungsgefahr zu verringern,  sollten sie bei Nichtgebrauch unbedingt ausgeschraubt werden; deshalb sind sie ja ausschraubbar. Um bei entfernten Schraubstollen für ausreichenden Gleitschutz auf Beton, Pflaster und Teerstraßen zu sorgen,  können vor die Gewindelöcher an den Hufeisenschenkeln ggf. Hartmetallstifte angebracht werden.

Hartmetallstifte werden bei Reitpferden angebracht,  die nur leicht in weichem Gelände,  das den Hufeisen genügend Halt gibt, geritten werden, um ggf.  beim überqueren von Asphaltstraßen sowie auf Beton und Pflaster im Reitstall ein Ausgleiten zu verhindern. Desweiteren werden Hartmetallstifte auch als Griffe im Zehenbereich in Kombination mit niedrigen Steckstollen an den Hufeisenschenkeln bei leichteren Zugpferden  (z.B. Haflinger, Warmblut,  Vollblut) verwendet, um ein Ausrutschen über die Zehen beim Ziehen einer Kutsche auf Straßen zu verhindern. Die Hartmetallstifte als Griff im Zehenbereich müssen so angebracht werden,  daß das Abrollen der Hufe über die Zehenrichtung nicht behindert wird. Zur Verringerung der Verletzungsgefahr und um die natürliche gleitende Auffußung nicht zu behindern, sollten Hartmetallstifte grundsätzlich nicht höher als 1 - 2 mm über die Bodenfläche des Hufeisens hinausragen. Aufschweißgriffe sollten nur für schwere Arbeitspferde verwendet werden,  die überwiegend zu Feld- und Waldarbeiten (z.B.  Holzrücken) herangezogen werden, um ihre Zugkraft voll zur Geltung zu bringen. Da bei Pferden mit Aufschweißgriffen und hohen Stollen das Hufhorn auf harten Böden keinen Bodenkontakt hat, neigen diese sehr stark zum Austrocknen,  wodurch die Hufe hart und spröde werden.

DSC00156_schnee2.jpgAufballen durch Schnee
Foto: © 11/2005 Sperling

 Die im Winter gefürchteten Einballungen und das Aufstollen von Schnee zwischen den Hufeisenschenkeln, was zu lebensgefährlichen Stürzen führt,  kann durch Spezial-Hufeinlagen, sog. ,,Huf-Grip®” , die zwischen Huf und Hufeisen mit aufgenagelt werden, sehr wirkungsvoll verhindert werden. Die Wirkung dieser patentierten ,,Huf-Grip®”-Einlagen beruht darauf, daß sich ein Gummischlauch, der dem inneren Rand des Hufeisens an der Hufsohle folgt, beim Auffußen auf Schnee zusammendrückt und beim Abheben des Hufes vom Boden durch die Eigenspannung des Gummis den eingeballten Schnee selbsttätig herausdrückt und somit das Aufstollen des Schnees verhindert. Mit der am Gummischlauch integrierten Lasche werden die ,,Huf-Grip®” einfach zwischen Huf und Hufeisen mit aufgenagelt. Wenn die Lasche an den Schenkelenden der Hufeisen zusätzlich festgenietet wird, können diese sogar für zwei Beschlagperioden, also den ganzen Winter,  verwendet werden. Als angenehmer Nebeneffekt sei noch die stoßbrechende Wirkung der Lasche zwischen Huf und Hufeisen erwähnt.


Für orthopädische Hufkorrekturen und Rekonvaleszenz
bietet der Eisenbeschlag auch vielfältige Möglichkeiten. Die häufigsten davon sind:

   
 
  • Das Hufeisen mit verdickten Schenkeln bzw.  Plastik-Keileinlagen oder Plastik-Keilplatteneinlagen, zur Entlastung der Hufgelenke,  Sehnen und Bänder.
  • Das Eiereisen zur Unterstützung der Hufgelenke,  Sehnen und Bänder.   
  • Das einseitige Breitschenkel-Hufeisen zur Korrektur des halheng - halbweiten Hufes und zur Behandlung von einseitigem Trachtenzwang.
  • Das beidseitige Breitschenkel-Hufeisen zur Behandlung von beidseitigem Trachtenzwang.
  • Das Hufrehe-Eisen mit starker angeschmiedeter Zehen- und Trachtenrichtung ggf. mit Sohlenpiatte und Hufpolster zur Entlastung des Tragerandes und zur Erleichterung der für hufrehekranke Pferde typischen Trachtenfußung.

  • Das Halbmondeisen zur Verhinderung des Fohlen-Bockhufes
 
Zur Rekonvaleszenz von Hufabszessen, Nageitritten und sonstigen Verletzungen im Bereich der Homsohle und des Strahlkörpers kann eine geschlossene Leder- oder Plastiksohle mit Auspolsterung zwischen Huf und Hufeisen mit DSC00152_leder.jpgaufgenagelt werden
Geschlossene Ledersohle mit Hufpolsterung
Foto: © 11/2005 Sperling
Die Nachteile des Eisenbeschlages:
 
Die Beschädigung der Homwand durch die Hufnägel:

   
Diese sollte daher so gering wie möglich gehalten werden durch Verwendung von Hufnägeln mit möglichst schlanker Klinge und deren sparsamem Gebrauch. In den meisten Fällen haben die Hufeisen mit 6 Nägeln genügend Halt am Huf. Bei kleineren Pferden und Pferden mit sehr guter Hornqualität genügen schon 4 Nägel pro Hufeisen für guten Halt, d.h. am linken und rechten Hufeisenschenkel je 1 Nagel im 1.  und im 3. Nagelloch. Dadurch wird auch der Hufmechanismus nicht unnötig stark eingeschränkt. Nur bei sehr stark beanspruchten Pferden sind unter Umständen 8 Nägel pro Hufeisen nötig. Dabei sollte aber der sogenannte 4.  Nagel (von der Hufspitze nach hinten gezählt)  wegen des Hufmechanismus unbedingt noch vor der weitesten Stelle des Hufes sitzen.

Eine Einschränkung des Hufmechanismus ist bei jeder Art von Hufschutz mehr oder weniger gegeben; diese sollte jedoch so gering wie möglich gehalten werden, um dauerhaften Schaden am Huf und Durchblutungsstörungen der Gliedmaßen  (Blutpumpe) möglichst auszuschließen.  Hierzu ist beim Eisenbeschlag Obengenanntes zur Verwendung von Hufnäglen zu beachten; desweiteren dürfen die Hufeisen nicht zu eng sein. Zur Gesunderhaltung der Hufe und der Gliedmaßen sollten Sie daher Ihrem Pferd in der Zeit in der es weniger gefordert wird,  die Hufeisen abnehmen lassen und ihm nach Möglichkeit für die Dauer einer Beschlagperiode barhufig regen Koppelgang gönnen,  was nicht zuletzt auch Ihrem Geldbeutel gut tut.

DSC00152_leder.jpgDämpfung durch Ledereinlage
Foto: © 11/2005 Sperling


Bei Kutschpferden, die überwiegend auf Asphalt, Pflaster oder Beton gefahren werden, kann eine zusätzliche Stoßdämpfung nötig sein. Erreicht wird diese durch handelsübliche Gummistoßdämpfer-Einlagen, wie z.B. LUWEX®,Stömsholm- oder Hufglück-Hufeinlagen, die wie o.g. ,”Huf-Grip®” mit den Hufeisen aufgenagelt werden.

Reitpferde sollten auf harten Böden ohnehin möglichst unbelastet und nur im Schritt bewegt werden, dadurch erübrigt sich meist eine zusätzliche Stoßdämpfung.

Das Gewicht der Hufeisen kann sich bei den schnellen Gangarten negativ auf das Pferd auswirken, insbesondere bei schnellem Trab auf hartem Boden.  Deshalb muß bei der Auswahl der Hufeisendicke die Art und der Gebrauchszweck des Pferdes berücksichtigt  werden. Das Hufeisen soll so leicht wie möglich, aber qleichzeitig so stabil wie nötig sein.  Es macht keinen Sinn, ein schweres Pferd mit nur 8 mm dicken Hufeisen zu beschlagen,  da sich diese schon bei gerringem Verschleiß durch das hohe Gewicht des Pferdes leicht verbiegen können. Ein schweres Pferd verträgt durch seinen massiveren Körper- und Knochenbau auch etwas schwerere Hufeisen unbeschadet.
In besonderen Fällen kann ein Aluminiumbeschlag verwendet werden.  Dieser sieht aus, und wird auch wie ein konventioneller Eisenbeschlag bearbeitet,  wiegt aber aufgrund des leichten Materials nur etwa 1/3 eines Eisens.  (Bei Gr.  3   Alu ~ 135 g / Eisen ~ 400 g) Weil Aluminium ein sehr weiches Metall ist,  hat es im Vergleich zum Eisen einen  höheren Verschleiß, welcher aber durch Verwendung von Stahleinlegegriffen im Zehenteil und Hartmetallstiften an den Schenkelenden reduziert werden kann. Darüber hinaus kann auch beim Aluminiumbeschlag jede Art von Gleitschutz und Aufstollschutz angebracht werden.

DSC00149_Greifeisen.jpggeringere Verletzungsgefahr durch Greifeisen
Foto: © 11/2005 Sperling


Die Verletzungsgefahr kann beim eisenbeschlagenen Pferd erhöht sein. Es ist daher die Aufgabe des Hufbeschlagschmiedes vor dem Beschlag die Gliedmaßen und den Gang des Pferdes genau zu beobachten und zu beurteilen,  um ggf. ein Greifen bzw. Streichen der vorschwingenden an der stützenden Gleidmaße mit dem Hufeisen zu verhindern. Bei Reit- und Fahrpferden,  bei denen der schnelleren Gangart wegen eine erhöhte Greifgefahr besteht,  wird ohnehin generell ein sog.  Greifbeschlag angebracht. An den Hinterhufeisen wird dazu der Zehenteil etwas gerader geschmiedet und statt eines Zehenaufzuges zwei seitliche Zehenhaufzüge angeschmiedet,  um die spitzrunde Hufzehe der Hinterhufe etwas über den Hufeisenrand hinausragen zu lassen.  (Hintere Fabrikhufeisen sind ab Werk bereits als sog.  Greifeisen gefertigt.)  Dadurch trifft sich das Pferd,  falls es sich mit dem Hinterhuf in die Vordergliedmaße greift, nicht mit dem Hufeisen, sondern wie auch beim Barhufpferd nur mit der Homwand.
 
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