Der Eisenbeschlag ist die vielseitigste und häufigste Hufschutzmethode und somit auch die preiswerteste.
Textquelle: Bernhard Mayr, D-82269 Geltendorf/Kaltenberg
http://www.hufkurs.de
Vorteile und Nachteile:
Schmieden
Foto: © 11/2005 Sperling
Die Hufeisen sind sehr genau an jede Hufform anpaßbar. Durch erhitzen
im Schmiedefeuer wird Eisen weich, dadurch kann das Hufeisen heim
Schmieden millimetergenau nach der ,,gegebenen Hufform” geformt werden.
Um das natürliche Abrollen der Vorderhufe nicht zu behindern, -
was eine Überbelastung der Hufrolle, Gelenke, Sehnen und stolpernden
Gang zur Folge hätte - ist das Anschmieden einer Zehenrichtung an den
vorderen Hufeisen unbedingt notwendig und nur in heißem (weichem)
Zustand des Eisens möglich.

Aufbrennen
Foto: © 09/2005 www.rotschopf.at
Bei Aufbrennen auf den zuvor korrekt vorbereiteten Huf wird die genaue
Paßform des Hufeisens kontrolliert. Dabei ist zu beachten, daß das
Eisen nicht mehr rotglühend sein darf, weil dadurch die Hitzeeinwirkung
auf das Hufhorn zu groß ist und zuviel Horn verbrannt wird, was
ein zu starkes Austrocknen des Tragerandes mit all seinen negativen
Auswirkungen (z.B. spröder Hufrand) zur Folge hat. Das
Nachkorrigieren, hauptsächlich der Zehenrichtung und das Einlassen des
Zehenaufzuges bzw. der seitlichen Zehenaufzüge (beiden hinteren
Hufeisen) am Huf hat unbedingt mit dem Hufmesser zu erfolgen, und
darf nicht durch wegbrennen des Hornes geschehen.
Durch das sehr genaue
Anpassen der Hufeisen an die gegebene Form der Hufe wird eine
Vernagelung nahezu ausgeschlossen und die Hufnägel können so gesetzt
werden, daß ein Ausbrechen des Tragerandes innerhalb einer
normalen Beschlagperiode (max. 6 - 8 Wochen) verhindert wird.
Durch die große Vielfalt qualitativ hochwertiger industriell
hergestellter Hufeisentypen in Form, Dicke, Profil und Material, die
durch den Hufbeschlagschmied noch individuell veränderbar sind, können
sämtliche Anwendungsgebiete des Pferdes abgedeckt werden.
1 Schraubstollen mit Hartkernstiften
2 Hartkernstif
3 Huf-Grip
Foto: © 11/2005 Sperling
Ein sachgemäßer Hufschutz sollte zur Sicherheit von Pferd und Reiter
mit ausreichendem Gleitschutz auszustatten sein. Beim Hufeisenbeschlag
ist die Anbringung jeder Art von Gleitschutz möglich. Die Art des
Gleitschutzes - Steckstollen, Schraubstollen, Griffe für den
Zehenbereich, Hartmetallstifte - hängt von der Nutzung des Pferdes und
der Bodenbeschaffenheit auf dem es bewegt wird ab.
Schraubstollen
Foto: © 11/2005 Sperling
Schraubstollen sind relativ hoch und sollten nur bei Bedarf, z. B. bei
Springpferden, eingesetzt werden. Um die Verletzungsgefahr zu
verringern, sollten sie bei Nichtgebrauch unbedingt ausgeschraubt
werden; deshalb sind sie ja ausschraubbar. Um bei entfernten
Schraubstollen für ausreichenden Gleitschutz auf Beton, Pflaster und
Teerstraßen zu sorgen, können vor die Gewindelöcher an den
Hufeisenschenkeln ggf. Hartmetallstifte angebracht werden.
Hartmetallstifte werden bei Reitpferden angebracht, die nur
leicht in weichem Gelände, das den Hufeisen genügend Halt gibt,
geritten werden, um ggf. beim überqueren von Asphaltstraßen sowie
auf Beton und Pflaster im Reitstall ein Ausgleiten zu verhindern.
Desweiteren werden Hartmetallstifte auch als Griffe im Zehenbereich in
Kombination mit niedrigen Steckstollen an den Hufeisenschenkeln bei
leichteren Zugpferden (z.B. Haflinger, Warmblut, Vollblut)
verwendet, um ein Ausrutschen über die Zehen beim Ziehen einer Kutsche
auf Straßen zu verhindern. Die Hartmetallstifte als Griff im
Zehenbereich müssen so angebracht werden, daß das Abrollen der
Hufe über die Zehenrichtung nicht behindert wird. Zur Verringerung der
Verletzungsgefahr und um die natürliche gleitende Auffußung nicht zu
behindern, sollten Hartmetallstifte grundsätzlich nicht höher als 1 - 2
mm über die Bodenfläche des Hufeisens hinausragen. Aufschweißgriffe
sollten nur für schwere Arbeitspferde verwendet werden, die
überwiegend zu Feld- und Waldarbeiten (z.B. Holzrücken)
herangezogen werden, um ihre Zugkraft voll zur Geltung zu bringen. Da
bei Pferden mit Aufschweißgriffen und hohen Stollen das Hufhorn auf
harten Böden keinen Bodenkontakt hat, neigen diese sehr stark zum
Austrocknen, wodurch die Hufe hart und spröde werden.
Aufballen durch Schnee
Foto: © 11/2005 Sperling
Die im Winter gefürchteten Einballungen und das Aufstollen von Schnee
zwischen den Hufeisenschenkeln, was zu lebensgefährlichen Stürzen
führt, kann durch Spezial-Hufeinlagen, sog. ,,Huf-Grip®” , die
zwischen Huf und Hufeisen mit aufgenagelt werden, sehr wirkungsvoll
verhindert werden. Die Wirkung dieser patentierten
,,Huf-Grip®”-Einlagen beruht darauf, daß sich ein Gummischlauch, der
dem inneren Rand des Hufeisens an der Hufsohle folgt, beim Auffußen auf
Schnee zusammendrückt und beim Abheben des Hufes vom Boden durch die
Eigenspannung des Gummis den eingeballten Schnee selbsttätig
herausdrückt und somit das Aufstollen des Schnees verhindert. Mit der
am Gummischlauch integrierten Lasche werden die ,,Huf-Grip®” einfach
zwischen Huf und Hufeisen mit aufgenagelt. Wenn die Lasche an den
Schenkelenden der Hufeisen zusätzlich festgenietet wird, können diese
sogar für zwei Beschlagperioden, also den ganzen Winter,
verwendet werden. Als angenehmer Nebeneffekt sei noch die stoßbrechende
Wirkung der Lasche zwischen Huf und Hufeisen erwähnt.
Für orthopädische Hufkorrekturen und Rekonvaleszenz
bietet der Eisenbeschlag auch vielfältige Möglichkeiten. Die häufigsten davon sind:
- Das Hufeisen mit verdickten Schenkeln bzw. Plastik-Keileinlagen oder Plastik-Keilplatteneinlagen, zur Entlastung der Hufgelenke, Sehnen und Bänder.
- Das Eiereisen zur Unterstützung der Hufgelenke, Sehnen und Bänder.
- Das einseitige Breitschenkel-Hufeisen zur Korrektur des halheng - halbweiten Hufes und zur Behandlung von einseitigem Trachtenzwang.
- Das beidseitige Breitschenkel-Hufeisen zur Behandlung von beidseitigem Trachtenzwang.
- Das Hufrehe-Eisen mit starker angeschmiedeter Zehen- und
Trachtenrichtung ggf. mit Sohlenpiatte und Hufpolster zur Entlastung
des Tragerandes und zur Erleichterung der für hufrehekranke Pferde
typischen Trachtenfußung.
- Das Halbmondeisen zur Verhinderung des Fohlen-Bockhufes
Zur Rekonvaleszenz von Hufabszessen, Nageitritten und sonstigen
Verletzungen im Bereich der Homsohle und des Strahlkörpers kann eine
geschlossene Leder- oder Plastiksohle mit Auspolsterung zwischen Huf
und Hufeisen mit aufgenagelt werden
Geschlossene Ledersohle mit Hufpolsterung
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Die Nachteile des Eisenbeschlages:
Die Beschädigung der Homwand durch die Hufnägel:
Diese sollte daher so gering wie möglich gehalten werden durch
Verwendung von Hufnägeln mit möglichst schlanker Klinge und deren
sparsamem Gebrauch. In den meisten Fällen haben die Hufeisen mit 6
Nägeln genügend Halt am Huf. Bei kleineren Pferden und Pferden mit sehr
guter Hornqualität genügen schon 4 Nägel pro Hufeisen für guten Halt,
d.h. am linken und rechten Hufeisenschenkel je 1 Nagel im 1. und
im 3. Nagelloch. Dadurch wird auch der Hufmechanismus nicht unnötig
stark eingeschränkt. Nur bei sehr stark beanspruchten Pferden sind
unter Umständen 8 Nägel pro Hufeisen nötig. Dabei sollte aber der
sogenannte 4. Nagel (von der Hufspitze nach hinten gezählt)
wegen des Hufmechanismus unbedingt noch vor der weitesten Stelle des
Hufes sitzen.
Eine Einschränkung des Hufmechanismus ist bei jeder Art von Hufschutz
mehr oder weniger gegeben; diese sollte jedoch so gering wie möglich
gehalten werden, um dauerhaften Schaden am Huf und
Durchblutungsstörungen der Gliedmaßen (Blutpumpe) möglichst
auszuschließen. Hierzu ist beim Eisenbeschlag Obengenanntes zur
Verwendung von Hufnäglen zu beachten; desweiteren dürfen die Hufeisen
nicht zu eng sein. Zur Gesunderhaltung der Hufe und der Gliedmaßen
sollten Sie daher Ihrem Pferd in der Zeit in der es weniger gefordert
wird, die Hufeisen abnehmen lassen und ihm nach Möglichkeit für
die Dauer einer Beschlagperiode barhufig regen Koppelgang gönnen,
was nicht zuletzt auch Ihrem Geldbeutel gut tut.
Dämpfung durch Ledereinlage
Foto: © 11/2005 Sperling
Bei Kutschpferden, die überwiegend auf Asphalt, Pflaster oder Beton
gefahren werden, kann eine zusätzliche Stoßdämpfung nötig sein.
Erreicht wird diese durch handelsübliche Gummistoßdämpfer-Einlagen, wie
z.B. LUWEX®,Stömsholm- oder Hufglück-Hufeinlagen, die wie o.g.
,”Huf-Grip®” mit den Hufeisen aufgenagelt werden.
Reitpferde sollten auf harten Böden ohnehin möglichst unbelastet und
nur im Schritt bewegt werden, dadurch erübrigt sich meist eine
zusätzliche Stoßdämpfung.
Das Gewicht der Hufeisen kann sich bei den schnellen Gangarten negativ
auf das Pferd auswirken, insbesondere bei schnellem Trab auf hartem
Boden. Deshalb muß bei der Auswahl der Hufeisendicke die Art und
der Gebrauchszweck des Pferdes berücksichtigt werden. Das
Hufeisen soll so leicht wie möglich, aber qleichzeitig so stabil wie
nötig sein. Es macht keinen Sinn, ein schweres Pferd mit nur 8 mm
dicken Hufeisen zu beschlagen, da sich diese schon bei gerringem
Verschleiß durch das hohe Gewicht des Pferdes leicht verbiegen können.
Ein schweres Pferd verträgt durch seinen massiveren Körper- und
Knochenbau auch etwas schwerere Hufeisen unbeschadet.
In besonderen Fällen kann ein Aluminiumbeschlag verwendet werden.
Dieser sieht aus, und wird auch wie ein konventioneller Eisenbeschlag
bearbeitet, wiegt aber aufgrund des leichten Materials nur etwa
1/3 eines Eisens. (Bei Gr. 3 Alu ~ 135 g /
Eisen ~ 400 g) Weil Aluminium ein sehr weiches Metall ist, hat es
im Vergleich zum Eisen einen höheren Verschleiß, welcher aber
durch Verwendung von Stahleinlegegriffen im Zehenteil und
Hartmetallstiften an den Schenkelenden reduziert werden kann. Darüber
hinaus kann auch beim Aluminiumbeschlag jede Art von Gleitschutz und
Aufstollschutz angebracht werden.
geringere Verletzungsgefahr durch Greifeisen
Foto: © 11/2005 Sperling
Die Verletzungsgefahr kann beim eisenbeschlagenen Pferd erhöht sein. Es
ist daher die Aufgabe des Hufbeschlagschmiedes vor dem Beschlag die
Gliedmaßen und den Gang des Pferdes genau zu beobachten und zu
beurteilen, um ggf. ein Greifen bzw. Streichen der
vorschwingenden an der stützenden Gleidmaße mit dem Hufeisen zu
verhindern. Bei Reit- und Fahrpferden, bei denen der schnelleren
Gangart wegen eine erhöhte Greifgefahr besteht, wird ohnehin
generell ein sog. Greifbeschlag angebracht. An den Hinterhufeisen
wird dazu der Zehenteil etwas gerader geschmiedet und statt eines
Zehenaufzuges zwei seitliche Zehenhaufzüge angeschmiedet, um die
spitzrunde Hufzehe der Hinterhufe etwas über den Hufeisenrand
hinausragen zu lassen. (Hintere Fabrikhufeisen sind ab Werk
bereits als sog. Greifeisen gefertigt.) Dadurch trifft sich
das Pferd, falls es sich mit dem Hinterhuf in die Vordergliedmaße
greift, nicht mit dem Hufeisen, sondern wie auch beim Barhufpferd nur
mit der Homwand.
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