Dienstag, 07. Februar 2012
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Der Kunststoff-Hufschutz
Es werden zur Zeit 3 völlig unterschiedliche Verfahren angeboten:

Textquelle: Bernhard Mayr, D-82269 Geltendorf/Kaltenberg
http://www.hufkurs.de


Kunststoff-Klebehufschuhe
konventionell genagelte Kunststoff-Beschläge und
anschnallbare Kuststoff-Hufschuhe



Die angebotenen Klebe-Hufschuhe sind ausgereifte und bewährte Produkte, haben meist zur Stabilisierung einen Tragerand-Metallkern  (Aluminium od.  Stahl)  oder es kann ein Hufeisen aufgeschraubt werden.


Mittels dieser Metall-Kerne können diese Klebe-Hufschuhe, wie beim o.g.  Hufeisenbeschlag, millimetergenau an die gegebene Hufform angepaßt werden. Darüber hinaus ist auch das Anbringen eines zusätzlichen Gleitschutzes möglich,  wodurch eine uneingeschränkte Alltagstauglichkeit gegeben ist.

Die Beklebung der Hufe mit Klebehufschuhen ist eine sehr anspruchsvolle Arbeit und bedarf deshalb neben handwerktlichem Können unbedingt auch eines sauberen und trockenen Arbeitsplatzes. Ihres hohen Preises wegen  (ca.  das 3-fache eines konventionellen Beschlages) werden Klebe-Hufschuhe jedoch hauptsächlich zur Huf-Therapie bei nicht nagelbaren Hufen (z.B.  schlechte Hornqualität, stark ausgebrochene Homwand) , Hufrehe, Hufverletzungen, Hornspalten und Hornsäulen,  Korrektur von Fehlerhufen und anderen möglichen orthopädischen Anwendungen eingesetzt. Zur Ausbalancierunq der Hufe sollten Klebe-Hufschuhe grundsätzlich paarweise verwendet werden.

Der genagelte Kunststoff-Hufbeschlag besteht aus einer konventionell aufgenagelten Kunststoffsohle mit einer Aussparung im Sohlen-Strahlbereich.

Als deren Vorteile gegenüber dem Eisenbeschlag werden hauptsächlich die stoßdämpfende Wirkung und ihr geringes Gewicht angeführt.  Dieses kann aber auch falls nötig,  ebensogut wie unter Hufeisenbeschlag erläutert,  durch Stoßdämpfereinlagen und Aluminium-Beschlag unter Beibehaltung aller Gleitschutzmöglichkeiten realisiert werden.

Ein sachgerechter Gleitschutz ist bei dieser Art des Kunststoff-Hufschutzes nicht möglich.

Das Haftverhalten des Kunststoffes ist je nach Bodenverhältnissen sehr stark unterschiedlich.  Bei Asphalt ist dieser auf der ganzen Bodenfläche rutschhemmend, was die natürliche gleitende Auffußung behindert; bei Nässe, im Gras, auf festgefahrenem Schnee und Eis ist die Haftreibung so stark herabgesetzt,  daß ein sicheres Reiten nicht mehr möglich ist.

Auch kann das einballen und aufstollen von Schnee in der Aussparung nicht wirksam verhindert werden.   Dadurch wird die Trittsicherheit des Pferdes beim Kunststoff-Beschlag unberechenbar und kann für das Pferd und den Reiter zur potentiellen Lebensgefahr werden.

Das mittragen der Hufsohle durch einsinken auf weichem Boden wird durch die breite Bodenfläche und der dadurch relativ kleinen Aussparung erheblich behindert.  Eine breitere Auflage des Tragerandes auf dem Beschlag entsteht jedoch nicht,  weil der Tragerand am Huf ohnehin nur maximal die Breite der Schutzschicht der weißen Linie und der Sohlenfläche in Breite der Schutzschicht zusammengenommen aufweist, die von jedem sachgerechten Hufschutz abgedeckt werden muß.

Das Reinigen der Hufe mit dem Hufräumer gestaltet sich schwierig,  weil sich in der Aussparung größere Steine festklemmen können und die seitlichen Strahlenfurchen im Trachtenbereich sehr schwer zugänglich sind.

Eine ausreichende Zehenrichtung ist nicht vorhanden und muß meist erst durch das Pferd angelaufen werden, was für die Dauer des Anlaufens das natürliche Abrollen der Vorderhufe behindert und eine Überbelastung der Gelenke, Sehnen und Bänder, insbesondere der Hufrolle zur Folge hat.

Jeder Hufschutz ohne Zehenrichtung ist unsachgemäß und schlecht.

Dies gilt für alle Arten des Hufschutzes;  dem muß auch beim Ausschneiden von Barhufpferden, durch anraspeln einer ausreichenden Zehenrichtung an den Vorderhufen,  Rechnung getragen werden, denn selbst das Hufbein der Vorderhufe weist eine solche auf.

Beim Aufnageln des Kunststoffbeschlages ist es schwieriger die Hufnägel haargenau auf der weißen Linie zu platzieren. Dadurch wird die Gefahr der direkten (blutigen) und indirekten (unblutigen, Nageldruck)  Vernagelung erheblich erhöht. (Durch die dämpfende Wirkung des Kuststoffes kann man beim Nageln die Position der Nagelspitze im Huf nicht mehr hören und fühlen. In der weißen Linie - weiches Blättchenhorn - fühlen sich die Hammerschläge auf den Hufnagel weich an und der Nagel klingt dumpf; beim Eintreten der Nagelspitze in die Schutzschicht - hartes Röhrchenhorn - fühlen sich die Hammerschläge auf den Hufnagel etwas härter an und der Klang wird höher.)

Indirekte Vernagelungen werden dann fälschlicherweise häufig als ,,sich einlaufen müssen” bzw. ,,sich an den Kunststoff zu gewöhnen” oder ,,nicht vertragen des Kunststoff-Beschlages” interpretiert.

Dies ist natürlich völliger Unsinn,  denn, geht ein Pferd unmittelbar nach dem Beschlagen klamm oder gar lahm,  liegt die Ursache immer am mangelhaft ausgeführten Beschlag, und nicht an der Art des verwendeten Beschlagmaterials.
   
 
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